Nachrichten aus Böhmen, Mähren und Sudeten-Schlesien

  • Wirtschaftliche Aussichten in Tschechien für 2006
  • EU-Gerichtshof lehnte Klage von Sudetendeutschen ab
  • Tschechische Nationalbibliothek kaufte einen der ältesten deutschen Drucke der Welt
  • Tschechische Armee verschenkt Grenzbunker aus den 30er Jahren
  • Tschechien seit sieben Jahren NATO-Mitglied
  • Eisenbahnpionier und Hochschulgründer Franz Josef Gerstner vor 250 Jahren geboren

  • Erste Eisenbahn auf dem europäischen Kontinent - Pferdebahn zwischen Linz und Böhm. Budweis

  • Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds

  • Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds wird über 2007 hinaus fortbestehen

  • Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds

  • "Verbrechen des Kommunismus" - Dokumentarausstellung im Bunker in Kraliky/Grulich

  • Die Stadt Aš / Asch plant ein "Haus der tschechisch-deutschen Freundschaft"

  • Zahl der Bewohner Tschechiens erstmals seit 1997 bei über 10,3 Millionen

  • Brünner Todesmarsch wurde am 15. Juni 2007 nachgestellt - Nur sechs Teilnehmer hielten durch

  • Die Wiederbesiedlung der Sudetengebiete in den Jahren 1945 bis 1952

  • In Tschechien wurde an die sowjetische Okkupation von 1968 erinnert

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Wirtschaftliche Aussichten in Tschechien für 2006

Der tschechische Premierminister Jiri Paroubek versprach den Bürgern für das neue Jahr 2006 bessere wirtschaftliche Bedingungen und höhere Einkommen.
Das Durchschnittsgehalt werde 20.000 Kronen (rund 667 Euro) übersteigen. Nach den letzten statistischen Angaben ist der Durchschnittverdienst in Tschechien 18.833 Kronen (628 Euro) pro Monat.

 

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EU-Gerichtshof lehnte Klage von Sudetendeutschen ab       

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Klage von 90 Sudetendeutschen abgelehnt, die gegen die Tschechische Republik geklagt haben. Die Kläger beschwerten sich über die Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg anhand der so genannten Beneš-Dekrete und verlangten eine Entschädigung. Die Klage wurde unter anderem deshalb abgelehnt, weil die Kläger nicht alle rechtlichen Möglichkeiten in Tschechien genutzt haben.

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Tschechische Nationalbibliothek kaufte einen der ältesten deutschen Drucke der Welt   

Die tschechische Nationalbibliothek hat einen der ältesten Drucke der Welt in ihre Sammlung aufgenommen. Es handelt sich um einen von Johannes Gutenberg gedruckten Ablassbrief aus dem Jahre 1454, der im westböhmischen Eger entdeckt wurde und den die Nationalbibliothek für 250.000 Kronen (umgerechnet über 8.300 Euro) erworben hat.
Die Neuerwerbung soll im April 2006 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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Tschechische Armee verschenkt Grenzbunker aus den 30er Jahren

 

Rund 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges will das Verteidigungsministerium in Prag einen Großteil der insgesamt rund 200 Grenzfestungen und 7000 Bunkeranlagen im Grenzgebiet verschenken. Die Befestigungsanlagen waren in den 30er Jahren von der tschechoslowakischen Regierung nach dem Vorbild der französischen Maginot-Linie zum Schutz vor einem möglichen Einmarsch deutscher Truppen gebaut worden. Man habe zwar zunächst den Verkauf der Anlagen erwogen, wolle sie nun aber lieber kostenlos, auch an Privatleute, abgeben, sagte Verteidigungsminister Karel Kühnl. Vor einem Verkauf hätte man in kostspielige Expertenanalyse investieren müssen. Verschenken sei billiger, so äußerte sich der Verteidigungsminister.

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Tschechien seit sieben Jahren NATO-Mitglied
 

Die Tschechische Republik beging am 12. März 2006 den siebenten Jahrestag ihres NATO-Beitritts. Gemeinsam mit Polen und Ungarn war das Land 1999, also bereits fünf Jahre vor dem EU-Beitritt, Mitglied der Nordatlantischen Verteidigungsallianz geworden.

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Eisenbahnpionier und Hochschulgründer Franz Josef Gerstner vor 250 Jahren geboren

Vor 250 Jahren, am 23. Februar 1756, wurde im nordböhmischen Komotau Franz Josef Gerstner geboren. Er war einer der Wegbereiter der industriellen Revolution in Böhmen und Gründervater der heutigen Tschechischen Technischen Hochschule in Prag, der bedeutendsten technischen Universität der Republik. Die Universität begeht in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen.

Die erste Eisenbahn auf dem europäischen Kontinent war die 1832 vollendete Pferdebahn zwischen Linz und Böhmisch Budweis


Die Projektierung hatte Franz Joseph von Gerstner durchgeführt mit dem Ziel, die Salztransporte aus dem Salzkammergut nach Böhmen zu verbessern.

Sein Sohn Franz Anton von Gerstner baute die von der „K. und k. private erste österreichische Eisenbahngesellschaft“ geleiteten Eisenbahnstrecke zwischen Donau und Moldau. 400 m Höhenunterschied waren zu überwinden.

Sie wurde am 1. August 1832 eröffnet. Pferde dienten als Zugtiere.

Die Teilstrecke zwischen Böhmisch Budweis und Kerschbaum war bereits seit dem 30. September 1828 befahren (= 62 ¼ km, Spurweite = 1,106 m).

Den Betrieb besorgte der k. und k. Schiffmeister Adalbert Lanna.

Die letzte Fahrt mit Pferden fand am 15. Dezember 1872 statt, danach wurden Dampflokomotiven eingesetzt.

An dieses Kulturdenkmal erinnern heute nur noch einzelne Bahndämme, Brücken oder andere Bauten.

Die erste Dampfeisenbahn fuhr 1829 in England, während auf der 6 km langen Strecke von Nürnberg nach Fürth der Betrieb erst am 7. Dezember 1835 aufgenommen wurde (Lokomotive „Adler“, Spurweite 1,435 m).

Beiträge über die Pferdeeisenbahn von Budweis über Linz nach Gmunden sind im

  1. Heimatbrief der Böhmerwäldler „Hoam!“, Mai 2011, Seiten 12 bis 14 und
  2. „Prachatitzer Heimatbrief“, August 2012, Seiten 20 bis 22 und Fortsetzung September 2012, Seiten 11 bis 13, veröffentlicht.

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Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds

 

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds ist ein konkretes Ergebnis der Deutsch-Tschechischen Erklärung vom 21. Januar 1997. Mit der Unterzeichnung der Satzung durch die deutsche und die tschechische Regierung wurde er am 29.12.1997 nach tschechischem Recht als Stiftungsfonds mit Sitz in Prag gegründet.

Auftrag des Zukunftsfonds ist es, auf vielfältige Weise die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen zu fördern, die Zahl der beidseitigen Begegnungen zu erhöhen und die Formen der Zusammenarbeit durch die Unterstützung von gemeinsamen Projekten zu erweitern. 

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Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds wird über 2007 hinaus fortbestehen

 

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds wird auch in den nächsten Jahren fortbestehen. Das erklärten der tschechische Außenminister Cyril Svoboda und sein deutscher Amtskollege Frank-Walter Steinmeier am 7. April 2006 in Prag vor Journalisten im Anschluss an ihre Gespräche, die sie zuvor im Tschernin-Palais geführt hatten. Der Fonds, der im Jahr 1997 gegründet wurde, sollte ursprünglich nach zehnjähriger Wirkungszeit auslaufen.

Er finanziert humanitäre Hilfe für Opfer nationalsozialistischer Gewalt, fördert in Bereichen wie Jugendarbeit, Ökologie, Kultur und Wissenschaft verschiedene grenzüberschreitende Projekte und stellt eine Plattform dar für den bilateralen Dialog.

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Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds

 

Der Verwaltungsrat des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds bewilligte in seiner Sitzung am 27. Juni 2007 im Černín-Palais in Prag die Unterstützung von 175 deutsch-tschechischen Projekten. Die Gesamthöhe der bewilligten Fördermittel erreicht 750.000 Euro.

Vergleiche auch meinen Beitrag „Kirchenrenovierungen in Böhmen und Mähren-Schlesien“ in der „Schönhengster Heimat“, März 2004, Seite 39.

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Deutschsprachige Auslandssendung von Radio Prag vom 04.08.2006

"Verbrechen des Kommunismus" - Dokumentarausstellung im Bunker in Kraliky/Grulich

Die Grenzbefestigung sollte einst als tschechoslowakische Militäranlage gegen Hitler-Deutschland dienen. In einem der Bunker dieser Befestigung in der ostböhmischen Stadt Kraliky/Grulich kann man nun eine Ausstellung besichtigen, die den Titel trägt "Verbrechen des Kommunismus - Menschen gegen die Menschen". In den düsteren unterirdischen Bunkerräumen, wo sich die Temperatur zu dieser Zeit um die 15 Grad bewegt, wird an die Schrecken in der Tschechoslowakei der Jahre 1946 bis 1965 erinnert.

"Ich verlange für alle Beschuldigte die Todesstrafe", fordert der kommunistische Staatsanwalt Josef Urvalek in dem Prozess gegen Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, Rudolf Slansky. Ein Dokumentarfilm über den bekannten Prozess sowie andere Dokumentaraufnahmen werden in einem der Räume des Bunkers K-S 14 gezeigt, der als ein Gerichtssaal eingerichtet ist. An den Wänden sind Dokumente über politische Prozesse sowie authentische Gegenstände aus der Zeit vor etwa fünfzig Jahren zu sehen. Das erschütterndste Exponat liegt in einer Vitrine in der Mitte des Raums - der Strick, der in den Jahren 1949-1954 benutzt wurde.

Zur Entstehung der Ausstellung sagte der Leiter des Museums, Richard Sicha:

"Auf die Idee kam mein Kollege Petr Svoboda vor einem Jahr. Er ist Neffe eines Menschen, der vom kommunistischen Regime arg verfolgt wurde und den wir "tschechischer James Bond" nennen. Der Mann hieß Miloslav Stedry und hatte ein sehr schweres Leben. Er flüchtete mehrfach aus kommunistischen Gefängnissen. Seine Freiheitsidee hatte er nie aufgegeben. Neben der Dokumentation über sein Schicksal wollten wir auch ein Stück der lokalen Geschichte mit einbeziehen. Denn im Kloster in Kraliky haben die Kommunisten ein Internierungslager für die Ordensmitglieder eingerichtet. Dies wollten wir in der Ausstellung auch dokumentieren."

An der Eröffnung der Ausstellung nahm der 81-jährige Priester Jan Zemanek teil, der vor 56 Jahren im erwähnten kommunistischen Lager interniert wurde:

"In einer einzigen Nacht, in der Nacht auf den 14. April 1950 wurden in der ganzen Republik etwa 2500 Ordensbrüder eingesperrt. Denn das kommunistische Regime wollte diese Bevölkerungsgruppe liquidieren, die es vor allem aus ideologischer Sicht für sehr gefährlich hielt. Das atheistische Regime wollte Priester, Ordensangehörige und Theologiestudenten nicht dulden."

Pater Zemanek verbrachte insgesamt neun Jahre in verschiedenen kommunistischen Gefängnissen und Konzentrationslagern. Seine einzige Schuld war, dass er Priester war. Er betonte jedoch, er fühle keinerlei Bitterkeit, anderen sei es noch schlimmer gegangen.

Im Bunker in Kraliky/Grulich kann man neben dem Gerichtssaal beispielsweise auch einen Raum besichtigen, der als Untersuchungsraum des Geheimdienstes mit entsprechender Abhörtechnik eingerichtet ist. Zu sehen ist hier auch eine rekonstruierte Einzelzelle. Die Ausstellung, die von einer Bürgerinitiative in Zusammenarbeit mit einigen Staatsinstitutionen vorbereitet wurde, ist im Bunker K-S 14 in Kraliky/Grulich bis zum Ende dieses Jahres zu sehen.

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Die Stadt Aš / Asch plant ein "Haus der tschechisch-deutschen Freundschaft"

Die westböhmische Stadt Aš / Asch, nahe der Grenze zu Deutschland, will ein "Haus der tschechisch-deutschen Freundschaft und Verständigung" einrichten. Über entsprechende Pläne berichtete am 22. August 2006 Bürgermeister Dalibor Blažek. Das Projekt wurde bereits vor mehreren Jahren initiiert. Das vorgesehene Gebäude, ein früheres Kulturzentrum, wurde jedoch von seinem damaligen Eigentümer an einen Privatunternehmer verkauft. Vor kurzem ging die Immobilie in das Eigentum der Stadt über, das ursprüngliche Vorhaben wurde reaktiviert. In dem Haus sollen nun eine tschechisch-deutsche Bibliothek, ein Veranstaltungszentrum sowie Vereinslokale untergebracht werden.

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Zahl der Bewohner Tschechiens erstmals seit 1997 bei über 10,3 Millionen

 

10.306.700 Menschen betrug die Zahl der Bewohner Tschechiens zum 31. März 2007. Das hat das Tschechische Statistikamt veröffentlicht. Es ist die höchste Zahl seit 1997. Im ersten Quartal dieses Jahres waren 19.500 Einwohner hinzugekommen. Dies geschah vor allem durch Zuwanderung aus anderen Ländern, in geringerem Maß gab es auch einen natürlichen Bevölkerungszuwachs. Die Zahl der Bewohner Tschechiens steigt bereits im fünften Jahr nacheinander an.

 

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Brünner Todesmarsch wurde am 15. Juni 2007 nachgestellt - Nur sechs Teilnehmer hielten durch

 

Der Brünner Todesmarsch, der im Frühjahr 1945 ein Teil der Vertreibung der deutschen Bevölkerung war, ist auf Initiative der Schriftstellerin Katerina Tuckova nachgestellt worden. Das Abmarschieren der Strecke sei viel schwieriger gewesen, als man erwartet habe, sagte die Brünner Literatin im Zielort Pohořelice / Pohrlitz der Nachrichtenagentur CTK. Von den am 15. Juni 2007 gegen 21.30 Uhr gestarteten 20 Teilnehmern wurde der Marsch nur von einem Sextett durchgehalten. Auf der Basis der historischen Fakten will Katerina Tuckova ihre bei der nächtlichen Aktion gemachten Erlebnisse in einem Prosaroman niederschreiben. Marie Schrimpel, die als damals siebenjährige Marie Pekarova den Brünner Todesmarsch durchstand, begrüßte die Aktion, auch wenn sie sich an das tatsächliche Ereignis nicht mehr gern erinnere.

 

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Die Wiederbesiedlung der Sudetengebiete in den Jahren 1945 bis 1952

 

Der Autor Andreas Wiedemann hat nach über 3-jähriger Arbeit nun seine Doktorarbeit mit dem Titel „Komm mit uns das Grenzland aufbauen!“ als Buch herausgegeben. Es hat 482 Seiten und kostet 34,90 Euro.

Der Titel des Buches war ein Slogan des Besiedlungsamtes in Prag im Jahr 1946 (in tschechischer Sprache).

Das Buch ist am 28. März 2007 im Klartext Verlag, Essen, erschienen.

Der Autor hat Geschichte studiert und ist derzeit bei der deutschsprachigen Auslandssendung von Radio Prag tätig.


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Radio Prag, Donnerstag, 21. August 2014

In Tschechien wurde an die sowjetische Okkupation von 1968 erinnert

In ganz Tschechien wurde am 21. August 2014 an den Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei vor 46 Jahren erinnert. Die zentrale Gedenkfeier für die Opfer der sowjetischen Okkupation fand traditionell vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks in Prag statt. In ihren Ansprachen verglichen die Redner wiederholt die Ereignisse von damals mit den aktuellen Geschehnissen in der Ostukraine. Russische Panzer würden gegenwärtig erneut die Souveränität eines europäischen Landes verletzen.
Truppen aus fünf Warschauer-Pakt-Staaten waren in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 in die Tschechoslowakei einmarschiert. Die gewaltsame Niederschlagung der Reformbewegung „Prager Frühling“ forderte über 100 Todesopfer und hunderte Verletzte.

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Vergleiche auch den Beitrag
„Staatsfeiertag zur Erinnerung an die ’Samtene Revolution’ " im Abschnitt ’’Geschichtliches’ In dieser Homepage.

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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